Kerstin Bober

Grafik | Comic | Text

Bild: Kerstin Bober / Text: Sylvia Hagenbach

Projekt — Kerstin am 2. März 2010 

Druck-nashorn

 

kleines nas’
weises horn
badak
nashyringur
kifalu
bleib nicht
schwarz
am rande steh’n
hüpfimgelb
springinsrot
sirre schwirre schwinge
feistes feines
tanzebein!
freche fliegen
küssen dir
die knusprigen
savannenlippen
und milde wolken
kühlen deine heißen
nashornrippen

Text: Sylvia Hagenbach / Illustration: ich

Projekt — Kerstin am 27. Februar 2010 

*”gebrauchtmöbellager*
an einem solchen ort begegnete ich einmal
mir selbst. nicht in einem spiegel, nein.
ich schaute auf ein möbelstück, recht alt,
recht angedunkelt und sehr ausladend.
ein schreibtisch mit löwentatzen.
auf diese löwentatzen starrte ich früher oft,
immer, wenn das donnerwetter kam. der mann,
das dünne männchen im anzug, das dünne männchen
mit der stimme von theo lingen, mit der
macht von fast zwei königen, mit der bestimmer-
macht – er saß dahinter, hinter dieser löwentatzen-
bastion und er nölte und er quäkte und ich guckte
auf die tatzen… und ich wurde sehr klein dabei…
dann ging ich davon, wurde größer, lernte lernen,
vergaß die löwentatzen und das
männchen. bis heute, als ich diesen laden betrat
und alles wiederfand: den löwentatzenschreibtisch,
den dunklen schrank, heut ohne die flammenden rücken
der gesetzesbücher, alles staubig, alles leergeräumt,
und den schreibtischsessel, staubig, leer. starr
vor schreck stand ich, starrte auf die löwentatzen,
kam zu mir und dachte: *ICH* lebe noch…”

 

gebrauchtmoebel-bild

BILD: Kerstin , TEXT: Sylvia

Projekt — Kerstin am 21. Januar 2008 

Fuchsgeist

 

“wenn ich tanze, fliegen die männer. sie fliegen ganz und gar, zittern,
wackeln mit kopf und ohren und schultern und knien, alles ruckt und
zuckt entzückt entrückt. Wenn ich tanze, nachts, flackert das licht in
der lampe, alle motten machen sich auf und flattern um mich herum und
die nachtvögel und fledermäuse. männer, motten, vögel, fledermäuse –
und alles, was nicht festgebunden ist. einmal flogen sogar die schafe
auf, flogen aus den fängen meiner rotschwänzigen verwandten in den
himmel auf. Ich hörte sie heulen, meine rothaarigen brüder, weil ihnen
die beute in die lüfte entwischte. ich lachte nur und tanzte weiter,
weiter, meine weiten. rauschenden gewänder machten musik dazu, raunten
und rauschten und die männer trommelten, trommelten wilde synkopen auf
wände und türen und auf die kühlerhauben der autos, die still unter
straßenlaternen warteten. alle fenster gingen auf, alle türen aller
häuser dieser stadt. menschen kamen heraus, die männer fingen an zu
fliegen und die frauen fingen an zu schimpfen und zu weinen. die kinder
schauten nur mit großen augen. müde schaute ich sie alle an, rief meine
rothaarigen brüder und tanzte mit ihnen in den wald zurück. die menschen
fielen in einen tiefen schlaf und dachten am nächsten morgen, sie hätten
alles nur geträumt. Ich aber werde wiederkehren mit meinen
rotschwänzigen brüdern und wenn ich tanze…”

Seite: Prev 1 2 3 4 5 6 7 Next
« Vorherige SeiteNächste Seite »