Kerstin Bober

Grafik | Comic | Text

BILD: Kerstin TEXT: Sylvia Hagenbach

Projekt — Kerstin am 9. Januar 2008 

Projekt

 

“ja, ich sitz hier gut. immer wenn ich ausgetrunken
habe, kommt einer vorbei und giesst neuen wein
in mein glas. sobald in meinem magen die jungen
hunde zu knurren beginnen, stellt man mir platten
mit fleisch und brot vor die nase. es lässt sich leben,
so, wie es jetzt ist. ja, natürlich, du hast recht, etwas
langweilig ist mir schon. habe ich doch weiter nichts
zu tun, als auf den nächsten rumms zu warten. die
aussicht ist auch die immergleiche, die nackten füße
und der hintern von dem typen, der da für die meister-
schaften trainiert. oder ist er gar schon in der quali-
fikation? nein, glaub ich eigentlich nicht.
er ist ein echter tolpatsch. seine technik ist – naja.
ich weiss auch schon gar nicht mehr, was ich meinen
lesern berichten soll… da! da kommt er wieder
runter. rumms. ich geh jetzt mal rüber. ich frag ihn jetzt
mal. das ist ja nicht auszuhalten! und wenn er mir
eine schmiert? ach, egal. ich hab eh’ schon hornhaut
auf der wange vom hand-aufstützen.
“he, sie! sagen sie mal, wie weit wollen sie denn dieses
spiel noch treiben? haben sie den rekord noch nicht
eingestellt?” er guckt mich an, streckt sich, verreibt den schweiss
auf seiner haut, gähnt. nickt, lächelt und ruft hinauf:
“heidi, heidi, deine welt sind die berge!” ein freudiger
jodler antwortet ihm und schon kommen die käsebollen
über den grat gekollert und hepp! und hepp! und hepp!
mit seinen starken armen fängt er sie auf und stapelt
sie zu einer pyramide. als letztes kommen heidi und
rosenresli heruntergesprungen und küssen den typen
ab. widerlich, sag ich dir!
versteh wirklich nicht, was die weiber an solchen typen
finden. naja. ich geh dann mal und tipp meinen bericht.
das foto ist leider verwackelt weil der geissen-peter
an meiner jacke gezogen hat. er wollte incognito bleiben.”

TEXT: Sylvia Hagenbach / BILD: Kerstin

Projekt — Kerstin am 7. Januar 2008 

Wachelpudding

 

wackelpudding gibts!

die kinder hüpfen

durch die küche

BILD: Kerstin TEXT: Sylvia Hagenbach

Projekt — Kerstin am 22. November 2007 

Moench

 

es wäre so einfach, weiter zu wandern. ins blaue hinein wo der wind ein
lied erzählt. ich und der wind und das meer und der himmel, wir würden
singen. ein lied von blüten- und sternenstaub. der wind fährt in das
orangene segel, ich klappe meinen schirm zusammen und steche in den
himmel. die wind- und wetterfahrt beginnt und über den wellen verliere
ich meine sandalen, die wie nussschalen ins rauschende blau hinein
sausen. nussschalenschiffchen wellenkammauf, wellenkammab, bis ich sie
aus den augen verliere.
ich halte das segel fest, das orangene segel, und der wind singt noch
immer. ich habe die melodie vergessen und beobachte die sterne, sehe wie
der skorpion den schützen beisst, der schütze vor schreck seinen pfeil
abschießt und die waageschalen zum wackeln bringt. der stier galoppiert
die milchstraße entlang und ruft nach den seekühen, die bei fisch und
krebs unterm wasserspiegel sitzen und sich kämmen. bei ihnen sind
jungfrau und zwillinge und spielen skat, während der wassermann mit der
nixe schäkert. aus ihren augen rollen perlen, die der wassermann in
einem kescher sammelt und von zeit zu zeit den austern zum fraß
vorwirft. am horizont, ganz fern,
taucht eine insel auf. Dort liegen steinbock, widder und löwe friedlich
beisammen und lecken einander das fell.

jetzt spanne ich meinen schirm auf, lasse das segel los und lande am
strand. die tiere stehen auf, beschnuppern mich und laden mich ein, mich
zu ihnen zu legen. das tue ich, beobachte wellen und warte, bis das meer
meine sandalen wieder ausspuckt. dann werde ich meine nächste reise
beginnen…

Seite: Prev 1 2 3 4 5 6 7 Next
« Vorherige SeiteNächste Seite »