Kerstin Bober

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Gestern

Projekt Text Bild — Kerstin Bober am 27. Januar 2012  

„Ich kann das Meer nicht reparieren, es leuchtet einfach – mich stört es eigentlich nicht. Manchmal ist es blau, dann grün. Ist Flut, fliege ich mit blauen Flügeln über die Düne, schaue mir die Tänze im Meer an, denke an die Meerjungfrau. Gerne wäre ich ein Wassertreter, aber die gibt es hier nicht. Das Weibchen balzt bei dieser Vogelart und sie muss das Revier verteidigen. Ich lande wieder auf der Erde, die Flügel tupfe ich mit ihrer Bettdecke trocken. Ich höre Musik. Die Geige streichelt mich, das Klavier nimmt meine Hand, das Cello küsst und die Pauken … Es ist spät geworden, jetzt kämpfen die Priele um das Wasser. Heringsmöwen und Sturmmöwen am nassen Himmel, in einem Priel der verirrte Trauererpel. Ich sammle täglich Meerwasserläufer, sie legen ihre Eier auf Treibgut. Gestern fand ich ihren blauen Koffer wieder. Er schmeckt nach Salzwasser, ich finde, er passt gut zu mir. Und es macht eben viel mehr Freude alleine Musik zu hören, es ist doch so viel besser alleine auf das Meer zu schauen.“

Text: Jürgen Gisselbrecht

 

 

Gekrümmtes Herz

Projekt Text Bild — Kerstin Bober am 23. Januar 2012  

Versprochen hatte sie niemandem etwas. Nicht einmal sich selbst. Deshalb findet es kein Mensch sonderbar als man von Mord spricht.

»Mord, wie sich das schon anhört!«, sagt Rainer und spielt eine der weißen Tasten des Klaviers an.

»Ihr Haar war hochgesteckt als man sie fand. Das Haar hatte sie einzig bei der Liebe offen getragen.«, sagt Rainer und schlägt eine weitere weiße Taste an.

»Ein Wunder, mit einem gekrümmten Herz überhaupt leben zu können.«, sagt der Notarzt.

Text: Jürgen Gisselbrecht

Einen hab ich noch …

Projekt Text Bild — Kerstin Bober am 18. Januar 2012  


»Ein Pinguin auf Weltreise trifft auf ein Flusspferd. ‚Warum hast Du so kleine Ohren?‘, fragt der Pinguin. Der Pinguin wartet zwei, drei, fünf Stunden auf eine Antwort. Das Flusspferd verharrt regungslos im Wasser. Der Pinguin gibt nach acht Stunden auf. Als der Pinguin außer Hörweite ist, murmelt das Flusspferd ‚Pinguine …‘.«

»Hör auf, mir Witze zu erzählen, während ich Dich küsse«, sagt Rosalie.

»Treffen sich zwei Nashörner in der Savanne. Sagt das eine ‚Na, wie gehts Deinem Horn‘, fragt das andere ‚Was für ein Horn?‘«

»Letzte Woche, weisst Du noch, Norbert, da mochte ich, wenn Du mir einen Witz am Abend erzählt hast. Aber jetzt kenne ich schon all Deine Witze auswendig.«
»Wirklich?«, fragt Norbert, auch den »Was ist der Unterschied zwischen einem Flusspferd und einem Leoparden?«

»Erinnerst Du dich noch, wie wir uns vor einer Woche kennen gelernt haben?«, fragt Rosalie.
»Ähm, aber den kennst Du noch nicht: Kommt ein Krokodil angeschwommen …«
»Norbert …«
»Ich hab gerade meine Lieblingsfrucht des Leberwurstbaumes gefressen, da kamst Du vorbei und hast mir ins Ohr gebissen«
»Nein, Du hast wie immer in der Gruppe einen Witz erzählt, während ich die Grüne Wasserrose fraß. Aber niemand in der Gruppe lachte über Deinen Witz, zum ersten Mal lachte niemand über Deinen Witz. Da hab ich aufgesehen und Deine Ohren gesehen und … naja, da konnte ich nicht anders als Dich zu küssen.«

Text: Jürgen Gisselbrecht

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