Kerstin Bober

Grafik | Comic | Text

Illustration: Kerstin / Text: Sylvia Hagenbach

Projekt — Kerstin Bober am 31. Mai 2010  

Es ist so schön, an einem sonnigen Frühlingstag im Baum zu hängen. Ein kleiner Wind bewegt die Blätter, die frisch aus den Zweigen zischen, pelzige kleine Wesen schlürfen Nektar aus Blütenkelchen. Und all dies wiegen und zischeln und flüstern, dies summen und schlürfen und schaukeln ließen mich in einen winzigen Schlaf fallen. Schön war das. ganz weit weg war ich, die Ausrufe der Menschen vor dem Zaun hörte ich nur noch ganz undeutlich, och guck mal ist der süß, ach sieh doch nein wie drollig wie niedlich och och och. Schön war das. Ein tiefer Atemzug – und sofort war ich wach, ein Riesennieser löste sich aus meiner Nase Haaaaaaaaaaaaaaatschiiiiiiiiiiii.panda1

 

 

 

 

 

 

 

 

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Was hat mich da so an der Nase gekitzelt? Ich schnuppere ein bisschen und schaue mich um. Da höre ich es: ein sirrendes sägendes Geräusch und fiese Flüche dazwischen. Was – ist das?

 

 

 

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Ah – da sehe ich es: ein kleines grünes Blatt rennt den Ast entlang. Wach ich? Träum ich? „He, Blatt!“ rufe ich – „He, Blatt! Was machst du da? Wieso kannst du laufen?“

WAS GUCKST DU!?

Skizzenbuch — Kerstin Bober am 14. Mai 2010  

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Bild: Kerstin / Text: Sylvia

Projekt — Kerstin Bober am 11. Mai 2010  

gestern war alles schwarz. das fenster offen zum himmel hin, doch nicht
der leiseste wischer einer augenweide. schon lange war das so, viele
lange wochen hatte er gedacht, es würde nie mehr eine andere farbe für
ihn geben als dieses finstere schwarz da draußen. er zog die vorhänge zu
und lauschte nach innen. ganz tief hinein stieg er, ganz hinein in seine
heimlichen höhlen und kammern, und verweilte, lang. nicht heller war es
dort, nicht heller als draußen. da konnte er genauso gut hier sein. doch
je länger er verweilte, umso mehr entdeckte er. entdeckte, wie die
schatten so vielfältig waren, nicht einfach schwarz, nein, auch grau
auch hellschwarz und braun, kieselgrau, regengrau, auch
mauseschwanzgrau, rosa sogar. er schaute und schaute, bis die schatten
begannen, blüten zu treiben, noch mehr, noch mehr! er jauchzte, sprang
auf, zog die vorhänge vom fenster und rief: es ist ja frühling! und ich
habe es gar nicht bemerkt!
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