Kerstin Bober

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Schrift-Struktur: * Zitat: “Die Entwicklung der Menschheit” von Erich Kästner

Texte — Kerstin am 25. April 2010 

 

Die-Entwicklung-der-Menschh

Die Entwicklung der Menschheit
Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.
Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

Erich Kästner

Bild: Kerstin / Text: Sylvia

Projekt — Kerstin am 19. April 2010 

tee

ich schaue auf das weite meer hinaus. zwei vögel rasten am ufer nach ihrer reise durch die dunklen himmel. aus ihrem gefieder strömen spuren der eisigen luft, die sie durchquerten. nur noch leichte rauchfahnen wehen aus dem krater des vulkans. alles scheint sich beruhigt zu haben. ich träume weiter, bis plötzlich eine hand den vulkansee am henkel ergreift und in die höhe hebt, den krater des vulkans über die vögel senkt und langsam lava über sie gießt. es qualmt mächtig aus dem krater, das heiße ergießt sich über die vögel, goldbraun und duftend, aber so heiss! “nein! nein! nicht die vögel!” rufe ich und sehe in dein verwirrtes gesicht. du stellst den see auf den tisch, reichst mir einen der vögel und sagst: “tea-time, liebes! wach auf! es hat keinen sinn, sich aufzuregen. wir müssen geduld bewahren. wer weiss, wie lange noch.” ich schaue hinaus. ein blauer himmel dehnt sich über dem flugfeld. die großen vögel mit ihren bunten zeichnungen stehen still. keiner wird sich in die luft erheben in den nächsten stunden.
ich hebe die tasse und schlürfe einen schluck earl grey. let it be singen die beatles.

Text: Sylvia / Illustration: Kerstin

Projekt — Kerstin am 18. April 2010 

 

*u-bahn-schacht*

kahles licht wie besoffen über die kacheln

bis weit oben wo es fast tag ist. die augen

tun weh in den sandpapierhöhlen. irgendwo

tropft wasser, irgendwo gröhlen die kids

was von fussball, irgendwo wird ein kuchen gefressen.

das messer teilt stücke zu.

die kerzen runtergebrannt bis auf den zuckerguss.

rausgerissen und in den müll geworfen. da liegen sie,

himmelblau auf dem rötlichen nudelnest von gestern.

kommt, kinder, sagt er, wir fangen an.

sie greift neben sich. findet das säckchen mit dem

dominospiel. öffnet es. wirft die steine auf die

geleise, geht. die frau mit den ausgerissenen augen-

brauen schaut ihr nach. sie greift nach ihren plastiktüten,

holt die puppe heraus und beginnt zu singen.

projektapril2

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